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Sehen Sie in Farben?

Schmeckt Whisky rot oder grün?

Hören Sie Töne/Klänge als farbige Formen?

Vielleicht sind Sie Synästhetiker?

was ist Synästhesie? - Definition

Das Phänomen, Gerüche nicht nur zu riechen, sondern auch sehen oder hören oder fühlen zu können oder aber Farben zu hören oder Töne zu sehen, kennzeichnet eine Verknüpfung der Sinne und nennt sich in der Fachsprache Synästhesie.

Griechisch : Mitempfindung (syn = zusammen; áisthêsis = Wahrnehmung). Synästhesie wird im allgemeinen die Erscheinung genannt, bei der durch Reizung irgendeines Sinnesorganes eine lebhafte Wahrnehmung nicht nur auf dem Gebiet des betreffenden Sinnes, sondern auch auf einem oder mehreren anderen Sinnesgebieten hervorgerufen wird (Vikainen 1958).

Wie viele Menschen Synästhetiker sind ist noch unklar. Nach Baron-Cohen ist es 1 von 2000, nach Cytowic 1 von 25 000, nach Emrich 1 von 500 bis 1 von 1000. Das Verhältnis von Frauen zu Männern ist dabei 8:1. Wobei Richard Cytowic in New York davon ausgeht, dass jeder Mensch synästhetisch veranlagt ist, es aber nur wenige wissen, dass sie Synästhetiker sind.

Dieses Phänomen der Synästhesie wird zur Zeit von mehreren Forschergruppen untersucht, um neue Erkenntnisse über das Bewußtsein des Menschen zu erlangen.

Allerdings: Synästhesien sind subjektiv!

Georg Anschütz erhielt als Ergebnis vieler Versuche mit Synästhetikern das Resultat, dass bei den verschiedenen Versuchspersonen keine einheitlichen Doppelempfindungen auftraten. Klaus-Ernst Behne kam zu einem eben solchen Ergebnis, als er der geheimen Verbindung von Vokalen und Farben auf die Spur kommen wollte (Behne 1991):

"Das Ergebnis war erfreulich und niederschmetternd zugleich: alle Befragten nannten mir bereitwillig ihre jeweils präferierten Farbvorstellungen, aber bei jedem waren es andere Farben!"

Erscheinungsformen der Synästhesie

Die häufigste Erscheinung ist das Farbenhören.
Das bedeutet, dass jemand beim Hören von Musik oder Klängen unmittelbar Farben sieht, zumeist 20-30 cm vor den Augen, obwohl diese Farben real nicht im äußeren Raum vorhanden sind.

"Das Sehen der Farben beruht vorwiegend auf äußerer Reizung, manchmal sogar in dem Maße, daß das Sehen der Farben nur solange anhält, wie der Ton zu vernehmen ist." (Vikainen 1958)

So erhält ein bestimmter Ton eine Farbe. Diese Zuordnung besteht bei genuinen Synästhetikern ein Leben lang.

Häufig löst auch ein gesprochener oder nur gedachter oder gelesener Buchstabe eine damit fest verbundene Farbe aus: es gibt viele Synästhetiker, die farbige Buchstaben oder/und Zahlen oder/und Wochentage haben.

Das Farbenhören wurde 1690 mit einer Äußerung des Philosophen Locke bekannt. Dieser erwähnte einen Blinden, welcher den Klang einer Trompete "rot" hörte.

Geheimhaltung

1812 erschien die erste klinische Studie von dem Arzt G.T.L. Sachs über das Farbenhören, der Synästhesien in einen pathologischen Umkreis einordnete.
Auch heute noch haben viele Menschen, die synästhetisch wahrnehmen, Angst als verrückt zu gelten, wenn sie von ihren Wahrnehmungen erzählen. Denn kaum jemand versteht die synästhetischen Beschreibungen. Beispiel: "Zuwenig Spitzen auf den Hähnchen" Aus: Cytowic Richard E.: Farben hören, Töne schmecken. Die bizarre Welt der Sinne.
"Ich sah zu, wie er die Sauce aufschlug, die er zu den Brathähnchen reichen wollte. "Oh je", sagte er und nippte an einem Löffel, "Da sind zuwenig Spitzen auf den Hähnchen." "Zuwenig was?" fragte ich. Er erstarrte und lief rot an. (..) "Jetzt denken Sie bestimmt, daß ich verrückt bin", stammelte er und warf den Löffel hin. (..) "Aber das ist bei mir so, wissen Sie, daß ich Formen schmecke." Er sah beiseite. "Wie soll ich das erklären?" fragte er sich selbst.
"Aromen haben Formen", begann er und starrte in die Tiefen der Bratreine. "Ich wollte, daß der Geschmack dieser Hähnchen eine spitze Form hat, aber er ist ganz rund herausgekommen". Er schaute zu mir auf, immer noch rot. "Ja, ich finde, er ist fast kugelförmig", sagte er mit Nachdruck. (..) "Wenn sie keine Spitzen haben, kann ich sie nicht auf den Tisch bringen."

Synästhesie in Kunst und Musik

Im 19. Jahrhundert, der Romantik, wurde es in der Poesie fast Mode, synästhetische Vergleiche zu ziehen. Die Idee des Gesamtkunstwerkes blühte auf.

So versuchte Alexander Skrjabin (1872-1915) mit seiner Symphonie "Prométhée" ein alle Künste umfassendes Werk zu schaffen. Hierin sollten Musik, Farben, Mimik, Tanz, Dichtung, Düfte und Philosophie in einem halbkreisförmigen Tempel zu einem liturgisch-künstlerischen Mysterium vereinigt werden. Für den "Prométhée" entwickelte Skrjabin eine neue Tonordnung, den 'Prometheischen Akkord', einen sechstönigen Quartenakkord.

Knapp 200 Jahre zuvor hatte der französische Mathematiker Louis-Bertrand Castel (1688-1757) versucht, ein Farbenklavier zu entwickeln. Das Farbenklavier sollte den Farben den Vorteil bieten, Beweglichkeit und Leichtigkeit zu erlangen, die ihnen auf einer leblosen Leinwand nie zu eigen sein könnte, mit dem Nachteil, nun vergänglich zu sein wie die Musik. Dennoch könne ein Musiker jetzt Bilder komponieren, ohne je malen gelernt zu haben.

Franz Liszt (1811 - 1866) vertonte 1857 Wilhelm von Kaulbachs monumentales klassizistisches Gemälde "Die Hunnenschlacht" (1834-37).

Nach Wassily Kandinsky, der selbst Farben hörte, also Synästhetiker war, sind die Töne der Farben, wie die der Musik so feiner Natur, erwecken so feine Vibrationen der Seele, daß sie mit Worten nicht zu bezeichnen sind. "Deswegen sind und bleiben Worte nur Winke, ziemlich äußerliche Kennzeichen der Farben. In dieser Unmöglichkeit, das Wesentliche der Farbe durch das Wort und auch durch andere Mittel zu ersetzen, liegt die Möglichkeit der monumentalen Kunst." (Kandinsky 1952) Auf dem Weg zur monumentalen Kunst stand bei ihm als erstes Werk die Bühnenkomposition, die aus den drei Elementen musikalische, malerische und tanzkünstlerische Bewegung bestand.

1925 führte Alexander László Farblichtmusik vor. Zu einer Grundfarbe traten hier beim Auftreten neuer Themen oder einer neuen Tonart zur Grundfarbe neue Farbtöne hinzu, teilweise als plastisch Gebilde in Wellenlinien oder Keilform, woraus sich eine Folge von abstrakten, bewegten Farbbildern ergab. Die Farben wurden mittels sieben Projektoren, die von einem Spieltisch mittels einer Klaviatur ausgelöst wurden, auf eine Leinwand projiziert.

Ist Synästhesie erlernbar?

Die Forschergruppe um Prof. Dr. Hinderk Emrich in Hannover (s. auch "Welche Farbe hat der Montag? Leipzig 2002) unterscheidet genuine und methaphorische Synästhetiker. Genuine haben eine feste Zuordnung von beispielsweise Farben zu Tönen, die über das ganze Leben konstant bleibt. In diesem Sinne sind sehr wenige Menschen Synästhetiker. Metaphorische haben ausgeprägte bildliche geometrische und farbige Erlebnisse z.B. zu Musik. Die beiden Formen sind schwer voneinander zu unterscheiden.

Ist Synästhesie erlernbar?
Nach Emrich ist die genuine Form nicht erlernbar, aber "die innere Wachheit für die eigenen Emotionen, die vor allem die Gefühlssynästhesie kennzeichnet", könne man sich aneignen.
So bezeichnet Emrich Synästhesie als eine besondere Form der Organisation bei der Darstellung von Denkinhalten in der Großhirnrinde und betrachtet Synästhesie insofern als eine besondere Lebensform, die erhöhte Kreativität, geistige innere Absicherung und eine innere Stabilität beinhaltet.
Richard Cytowic in New York geht davon aus, dass jeder Mensch synästhetisch veranlagt ist, wobei aber nur wenige Menschen wissen, dass sie Synästhetiker sind.

Synästhesien sind beim Lernen von abstrakten Dingen im Sinne von zusätzlichen Ankerpunkten, Eselsbrücken oder Andockpunkten für neues Wissen sehr hilfreich.

Vielleicht möchten Sie nun wissen, ob Sie auch synästhetisch wahrnehmen können?

Oder Sie möchten mehr über Synästhesie erfahren und vielleicht mit Synästhesieübungen spielerisch experimentieren?